Mia Luk ist tot, es gibt sie nicht, nein es gab sie noch nicht einmal. Es wird sie nie geben.
Sie zu simulieren wäre Unsinn.
Wie soll es irgendwie möglich sein den eigenen Tod in Worte zu fassen,
abgedroschen klingt alles und doch, irgendwie muss es doch einen Weg geben.
Irgendwie muß es doch möglich sein dieses Erleben mit dem Verstand zu begreifen,
Worte zu finden, daraus irgendwie und irgendwo ein Selbst zu finden.
Hier hat mein Tod Platz.
Der Weg zum Leben meiner Seele
Der Weg auf dem meine Seele zu Leben erwacht beginnt eisig, düster, einsam,
durchtränkt von Angst
starr und steif
mit jedem Atemhauch gefüllt von Schmerz
die Nerven überreizt, als wären die Synapsen am Zerfallen
Tränenstaub verstopft die Traurigkeit, es gibt sie nicht, weil sie ausgetrocknet ist
schwer zieht das Herz
aufgegeben jedes Sein
Der Weg meiner Seele ist düster und einsam
Ich versuche zu fühlen und fühle mich noch hohler im gefühlsleeren Raum,
allein, ohne Angst zu sterben durch andere, denn ich bin bereits tot und doch angefüllt mit Todesangst
Meine Seele ist so verloren, so verschreckt, so zurückgezogen, daß ich selten in mir bin,
denn die Angst vor den Schmerzen ist zu groß
Ein Leben lang war ich Gefangene, Gefangene meiner Eltern, meiner Schwester,
die mich voller Haß zerfleischten,
so daß kein Fetzen mehr an mir blieb.
Das letzte Stück Fleisch fiel ab, bis das Skelett in sich zusammenbrach und sich im Staub auflöste
Um nichts fühlen zu müssen füllte ich meinen Körper mit Substanz, irgendeiner, irgendetwas
Nur nicht fühlen, denn das schnürt mir den Hals zu
So wie ich es nicht fühlen durfte als jemand mir den Hals zuschnürte,
der eigentlich die Aufgabe hatte mich zu schützen
und wenn das nicht, dann doch zumindest am Leben zu lassen
Oder nicht?
Nein das konntest Du nicht
Ich musste sterben durch Deine Hand, durch Deine Wut
Warum? Warum?
Ich weiß es genau, denn mein Kopf lebt weiterhin, der ist zerbrochen und ich habe ihn wieder geflickt.
Mühsam über Jahre hinweg.
Was bleibt ist die Leere
Mein Körper ist schwer wie Blei, denn er ist tot seit dem.
Jede Bewegung ist eingefroren in Angst, Angst, Angst.
Ich bin dennoch noch hier.
Ich lebe noch
Ich lebe weil ich Du wurde.
Nur weil ich Du wurde, musste ich vor Angst nicht sterben,
denn sonst hätte ich meinen Körper aufgegeben
Ich musste Deine Fratze tragen um den leichenschweren Körper behalten zu dürfen und ja,
Du warst es, der sie mir gegeben hat, in der Überzeugung es sei tatsächlich ich
Hast Du Dich selbst nicht erkannt?
Hast Du nicht erkannt, daß Du die hässliche Fratze trägst,
daß Du diese Kreatur bist, die mir mein Leben geraubt hat?
Hast Du nicht?
Sterben musste ich für Dein reines Gewissen - hast Du eines?
Ich weiß es nicht.
Du bist leer, Du bist innen zergangen, ohne Seele.
Nichts an Dir ist mehr lebendig und Du wolltest daß ich Dir gleiche.
Doch ein Kind ist anders, das wusstest Du nicht,
Du hast es vergessen, weil es seit langem tot in Dir ist.
Ich sollte zur Hülle werden, so wie Du.
Eine Pappfigur, nichts als eine Pappfigur, ohne Inhalt,
denn alles was irgendwie zum Leben gehörte ist Dir abhanden gekommen.
Doch ich war es nicht und doch musstest Du mich dafür bestrafen.
Bestrafen dafür, daß ich nicht so war, wie ich hätte sein sollen, tot, flach, gehorsam, unauffällig,
nicht Deine Abgründe verratend
Deinen Erwartungen entsprechend
Irgendwann Mitternachts
Ich bin er
Er ist ich
Ich kann gar nicht anders
Der dunkle Umhang klebt an mir, wie ein düsterer Nebel, durch den nichts hindurch kann
Meine Seele ist nicht mehr meine
Ich habe mit ihm den Pakt geschlossen, daß sie ihm gehört, dafür darf ich weiterhin dahinvegetieren
Ich bin er
Tot bin ich und deswegen kann ich gar nicht mehr ich selbst sein
Die Wut zerfrisst mich innerlich, denn ich bin er,
nichts von mir ist geblieben, außer eine unspürbare Angst, die mich jede Sekunde begleitet
Tot bin ich und ich weiß nicht, was ich tun soll, denn der Zustand scheint unentrinnbar. Tot.
Ich weiß wirklich nicht was ich machen soll, dieser Zustand erscheint so endlos, so hoffnungslos, so völlig leer und inmitten dessen liegt meine Leiche, die versucht sich zu bewegen, doch das einzige was sie authentisch kann, was sie ihre Existenz lang getan hat, sich mit allen Händen gegen alles Lebendige um sie herum zu wehren.
Das Leben allein erscheint als Bedrohung.
Briefe einer Mörderin
die ich bin und doch nicht.
Tot bin ich, doch bin ich es?
Meine Wut ist so rasend, so erbarmungslos, so haltlos,
sie drängt in jeder Zelle zur Vernichtung.
Tot, das ist der Zustand, den ich kenne, tot.
Wenn sich doch ein klitzekleiner Hauch Leben in mir verirrt, so für nicht lange,
zehntel Sekunden oder noch weniger?
Ich sehe mein Spiegelbild, ja ich glaube ich bin tot. Angstverzerrt das Gesicht.
Ich weiß nicht wohin
Ich kann nicht weiter
Egal in welche Richtung ich blicke
tot bin ich, der Körper kommt nicht voran, er liegt verwest auf dem Boden
Ich bin tot
Ich schreibe "tot" und fühle nichts, denn es ist als würde selbst dieser Zustand nicht exisitieren
Weniger als tot, verflucht vielleicht, zwischen dem einen und dem anderen
Selbst tot zu sein kommt mir manchmal als Erlösung vor
Tot, dann muss ich mich selbst nicht mehr ertragen
Tot, dann muss ich mein inneres und äußeres Gefängnis nicht mehr ertragen
Vergessen, von mir selbst vergessen
Nichts bleibt, außer der schale Eindruck, daß selbst der Tod ein friedvollerer Zustand ist.
Weiter?
Kann ich nicht.
Die Angst lähmt mich zutiefst


